Formen des Haarausfalls
Hormonell bedingter - erblicher Haarausfall
Haare werden durch unter der Haut liegende Haarfollikel produziert. Bei entsprechender Veranlagung haben diese Follikel eine erhöhte Anzahl an Rezeptoren für männliche Hormone. Das Geschlechtshormon Testosteron ist maßgeblich an der Produktion von Dihydrotestosteron (DHT) beteiligt. Und eben jenes DHT entwickelt einen negativen Einfluss auf den Follikel - mit dem Resultat einer verkürzten Wachstumsphase im Haarzyklus. Die Beschleunigung des Haarzyklus durch eine Verkürzung der Anagenphase führt dazu, dass Haare und Haarfollikel kontinuierlich dünner werden. Das komplette Verschwinden des Haarfollikels ist schließlich das Endresultat des hormonell – erblichen Haarausfalls.
Eine Störung im Bereich der männlichen Hormone wird so zum Hauptschuldigen für den Haarausfall. Tatsächlich ist der hormonell-erbliche Haarausfall (Alopecia androgenetica) mit 95 Prozent die häufigste Form von Haarausfall bei Männern. Umfang und Verlauf des Haarausfalls hängen maßgeblich von der individuellen Veranlagung, dem Alter und den männlichen Sexualhormonen ab. So ist etwa der Zeitpunkt, ab dem die Haarfollikel empfindlich auf DHT werden, je nach Veranlagung verschieden. Ebenso ist genetisch determinert, in welchem Maße der Haarfollikel auf DHT überempfindlich wird. Es gilt: Je später der Haarausfall einsetzt, desto langsamer ist auch der Verlauf.
Eine im Mai 2005 von den Universitäten Bonn und Düsseldorf veröffentlichte Studie konnte erstmals den Nachweis erbringen, dass die Neigung zum Haarausfall über die Mutter weitervererbt wird. Das Gen für den Androgen-Rezeptor liegt auf dem X-Chromosom. Männer erben das X-Chromosom immer von ihrer Mutter. In vielen Fällen schlagen Männer daher in Punkto Haarausfall eher nach ihrem Großvater mütterlicherseits als nach ihrem Vater. Zu der Erkrankung trägt aber nicht nur eine Erbanlage bei. Die Forscher betonen außerdem, es gebe Hinweise auf weitere Gene, die unabhängig vom elterlichen Geschlecht vererbt werden. Mitunter vererbt sich die Veranlagung daher auch direkt vom Vater auf den Sohn.
Kreisrunder Haarausfall
Der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) ist die zweithäufigste Form. An verschiedenen Stellen des Kopfs bilden sich hierbei innerhalb kurzer Zeit kreisrunde, kahle Flecken, die bis zur völligen Kahlheit führen können. Ohne vorherige Anhaltspunkte bzw. Ankündigungen werden Betroffene vom plötzlichen Haarverlust überrascht. Der kreisrunde Haarausfall kann in jedem Alter und bei beiden Geschlechtern gleichermaßen auftreten. Bei annähernd der Hälfte der Betroffenen bilden sich die kahlen Flecken innerhalb eines Jahres zurück. Bei bis zu 25 Prozent kommt es allerdings zu einem Totalausfall der Haare (Alopecia universalis).
Ursächlich für die Alopecia areata ist zumeist eine Autoimmunkrankheit, wobei kein direkter Einfluss auf die Gesundheit der Betroffenen festgestellt werden konnte. Bei einer Autoimmunkrankheit richtet sich das Immunsystem nicht gegen Viren oder Bakterien, sondern gegen die Gewebe, Zellen oder Organe des eigenen Körpers. Bei der Alopecia areata werden die Haare vom Immunsystem als vermeintlich "körperfremd" erkannt. Verschiedene Teile des Haarfollikels werden daraufhin angegriffen. Von dieser Reaktion des Immunsystems können sämtliche Haarfollikel betroffen sein. Es kann demnach auch zu einem Verlust der Augenbrauen, Wimpern oder der Behaarung im Achsel- und Schambereich kommen.
Diffuser Haarausfall
Diffuser Haarausfall ist nicht auf bestimmte Stellen des Kopfs beschränkt, das Haar wird vielmehr insgesamt dünn. Ursächlich für diese seltene Form des Haarausfalls sind zumeist Schilddrüsenfunktionsstörungen, Infektionen, die Einnahme bestimmter Medikamente, Stress oder schlechte Ernährung. Als Ursache für den diffusen Haarausfall werden außerdem klassische Schadstoffe diskutiert. Hierzu zählen etwa Thallium, Kadmium, Quecksilber oder Amalgam-Füllungen. Schadstoffe können unter bestimmten Umständen zu einer Unterbrechung der Anagenphase führen, so dass der Wachstumszyklus des Haars unterbrochen wird
Diffuser Haarausfall kann außerdem durch extreme Diäten, Essstörungen und Strahlentherapie bzw. Strahlenunfälle entstehen. Ernährungsbedingter Haarausfall resultiert aus einem Mangel an den Spurenelementen Eisen, Zink und Kupfer. Diese sind von Bedeutung für das Wachstum und die Struktur des Haars. Der Verlust von Haaren durch Strahlentherapie oder Strahlenunfälle wird durch ionisierende Strahlung ab etwa 3,8 Gy ausgelöst. Nach ca. zwei Monaten kommt es in der Regel wieder zu einem Haarwachstum. Eine Strahlendosis über 8 Gy kann zu einem dauerhaften Verlust der Haare führen.
Spannungsbedingter Haarausfall
Einen ganz neuen Ansatz verfolgen Untersuchungen, die eine Verspannung der Kopfmuskulatur als Ursache von Haarausfall vermuten. Vor allem bei Männern, die unter starker Anspannung oder Stress stehen, wird häufig eine Verspannung der oberen Schädelmuskulatur beobachtet und dadurch kommt es zu spannungsbedingten Haarausfall.
Diese Verspannung kann die Durchblutung und damit die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung in den Hautarealen, in denen die Haarmatrixzellen eingebettet sind, verschlechtern und damit das Wachstumsverhalten der Haarfollikel beeinträchtigen. Die Folge kann ein spannungsbedingter Haarausfall sein. Er soll typischerweise an den "Geheimratsecken" oder der "Denkerstirn" beginnen und das verstärkte Auftreten von Haarausfall in Zeiten hoher psychischer Belastung und starkem Stress erklären. In klinischen Untersuchungen wird der spannungsbedingte Haarausfall zurzeit weiter wissenschaftlich erforscht.
Inhalt
- Willkommen
- Ursachen für Haarausfall
- Formen des Haarausfalls
- Therapiemöglichkeiten
- Medikamente bei Haarausfall
- • Impressum
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